Abteilungsbericht zur Mitgliederversammlung am 16. März 2009
Am 16. März 2009 fand die Abteilungsversammlung der Leichtathleten des TSV Bayer 04 im Foyer der Leichtathletik-Halle statt. Hier der Jahresbericht von Abteilungsleiter Joachim Strauss.
Liebe Mitglieder der Leichtathletikabteilung,
bevor wir uns ganz auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Berlin einstimmen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen.
Auch wenn wir bei den Olympischen Spielen ohne die erhoffte Medaille dastanden, können wir mit sechs Top-Ten-Platzierungen in Peking von einem erfolgreichen Jahr 2008 sprechen. Besonders unsere jungen Sportler haben ihre olympische Feuertaufe mit Bravour bestanden.
Aber zuerst möchte ich den aktuellsten internationalen Erfolg, den wir verzeichnen konnten, ansprechen. Nur eine Woche liegt die Silbermedaille von Silke Spiegelburg bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin zurück. In einem spannenden Wettkampf verbesserte Silke im Stabhochsprung-Finale den Deutschen Rekord zum zweiten Mal in dieser Saison auf nun 4,75 Meter. Bei den Männern erwischten Danny Ecker und Malte Mohr in der Qualifikation einen schwarzen Tag. Als Neunter und Zehnter schieden beide in der Vorrunde knapp aus. Neben den Stabhochspringern konnte sich noch Christine Schulz für Turin qualifizieren. Sie zeigte am ersten Tag der Meisterschaften einen guten Wettkampf und errang mit 4.461 Zählern den siebten Platz.
Wollen wir nun nach China zurückblicken. Mit der Stirnband-Aufschrift „Feuert mich an" gelang unserer Speerwerferin Steffi Nerius in einem hochklassigen Finale mit Rang fünf die beste Leverkusener Platzierung. Bei diesem Erfolg bleibt als einziger Wermutstropfen, dass ihre seit 2002 anhaltende Medaillenserie damit leider abriss. Dass Katharina Molitor nur drei Plätze dahinter landen würde, hatte im Vorfeld wohl kaum jemand erwartet. Für sie war schon die Qualifikation mit persönlicher Bestleistung von 61,74 Metern eine echte Überraschung. Einen neuen Hausrekord stellte auch Steffi mit hervorragenden 68,34 Metern auf, allerdings erst zwei Wochen nach Olympia beim DKB-Cup-Finale in Berlin.
Während Steffi zwei Plätze am Treppchen vorbei schrammte, waren es bei Danny Ecker als Sechsplatzierten drei. Für ihn war die Saison vor allem durch seine Achillessehnenverletzung geprägt, die ihm dann den entscheidenden Trainingsrückstand im Kampf um die Podestplätze einbrachte. Dass der Sprung aufs Treppchen für ihn dennoch nicht allzu weit war, zeigte sich darin, dass ihn bei 5,70 Metern nur zwei Fehlversuche von Bronze trennten.
Den Siebten Rang können wir sogar zweimal vorweisen. Dannys Disziplinkollegin Silke Spiegelburg hatte sich das Ziel gesetzt, unter die ersten Acht zu kommen und ließ den Worten Taten folgen. Damit machte sie auch den „Salto Nullo" von der WM 2007 vergessen. Ihr größter Erfolg sollte mit dem Sieg beim Weltfinale in Stuttgart mit zum zweiten Mal übersprungenen 4,70 Metern aber erst ein paar Wochen später folgen.
Ein turbulentes Jahr erlebte Hammerwerfer Markus Esser. Zunächst jagte er lange Zeit der Olympianorm hinterher und sprang im letzten Moment auf den Peking-Zug auf, dann verpasste er das Finale der letzten Acht als Neunter nur knapp. Erst vier Monate später rutschte er nach zwei weißrussischen Dopingdisqualifikationen auf den siebten Rang vor.
Von einer Dopingsperre profitierte auch Mehrkämpferin Jennifer Oeser. Jedoch dauerte es bei ihr nur kurze Zeit, ehe sie vom zwölften auf den elften Rang vorrückte. Auch wenn der Olympia-Wettkampf für sie nicht ganz so gut wie erhofft verlief, stellte sie bei der Qualifikation in Ratingen mit 6.436 Punkten immerhin eine persönliche Bestleistung auf.
Eine fast schon künstlerische Darbietung zeigte Marathonläuferin Melanie Kraus bei ihrem späten Olympia-Debüt. Mit ausgestreckten Armen flog beziehungsweise lief sie als 38. ins Vogelnest von Peking ein. Dabei war sie zwar in 2:35:17 Stunden knapp zwei Minuten langsamer als im Frühjahr bei ihrem Sieg in Düsseldorf, machte dafür aber im Herbst in Frankfurt mit dem zweitschnellsten 42,195-Kilometer-Rennen ihrer Karriere in 2:28:20 Stunden den ersten großen Schritt in Richtung WM nach Berlin.
Für Sorina Nwachukwu sind ihre ersten Olympischen Spiele mit dem achten Platz zu Ende gegangen. Die Viertelmeilerin lief an zweiter Position der deutschen 4x400-Meter-Staffel und erreichte nach 3:28,45 Minuten das Ziel. Im Halbfinale hatte das Quartett noch 3:25,55 Minuten vorgelegt. Als einziger TSV-Athlet überstand Weitspringer Sebastian Bayer die Qualifikation nicht. Mit 7,77 Metern schied er als 23. aus. Sprinterin Mareike Peters kam als Ersatzläuferin der 4x100-Meter-Staffel nicht zum Einsatz.
Auf kontinentaler Ebene stand beim Europacup im französischen Annecy Danny Ecker ganz oben auf dem Podest. Als jeweils Dritte schafften auch Silke Spiegelburg und Markus Esser den Sprung aufs Treppchen. Ihr Debüt im Nationaltrikot bei den Aktiven gaben Mareike Peters und Sorina Nwachukwu. Mareike kam mit der 4x100-Meter-Staffel auf den fünften Platz, musste sich aber über 200 Meter mit dem achten Rang zufrieden geben. Sorina lief mit dem 4x400-Meter-Quartett als Sechste ins Ziel.
Im Nachwuchsbereich war es international im vergangenen Jahr etwas ruhiger. Für das beste Resultat sorgte Alexander Hahn bei der Cross-Europameisterschaft in Brüssel. Als Vierter in der Altersklasse U20 verpasste er nur knapp die erste Einzelmedaille eines Leverkusener Athleten bei einer Cross-EM. Mit der Mannschaft belegte er den sechsten Rang.
Im Sommer war für die Jugendlichen die U20-WM im polnischen Bydgoszcz der Höhepunkt. Hier waren wir mit Speerwerferin Sarah Nöh und Hürdensprinter Alyn Camara vertreten, die aber beide unglücklicherweise in der Vorrunde ausschieden.
Die stolze Anzahl von acht Bayer-Athleten konnten wir zum U23-Länderkampf gegen Polen nach Rostock entsenden und dabei die gute Ausbeute von drei Siegen durch Silke Spiegelburg und Malte Mohr im Stabhochsprung wie auch Daniela Fink im Diskuswurf mit nach Hause bringen. Durch die zweiten Plätze von Sven Möhsner, Hendrik Gruber, Annett Horna und Anne Kathrin Elbe sowie den dritten Platz durch Julia Hartmann haben wir Leverkusener einen großen Beitrag zum Gewinn des deutschen Teams beigetragen.
Beim ebenfalls gegen Polen ausgetragenen U18-Länderkampf in Slubice kam Kira Biesenbach mit der 4x100-Meter-Staffel als Erste ins Ziel und wurde über 200 Meter Dritte. Lena Klassen über 800 Meter und Niklas Rothes über 400 Meter Hürden trugen ebenfalls ein gutes Stück dazu bei, dass die deutsche Mannschaft auch hier als Sieger nach Hause fuhr.
Wollen wir uns nach den internationalen Resultaten nun den nationalen Erfolgen widmen. Bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven in Nürnberg können wir mit phantastischen fünf Titeln einen mehr als im Vorjahr verbuchen. Ganz vorne lagen Markus Esser, Silke Spiegelburg, Sebastian Bayer, Robin Schembera, Mareike Peters und die 4x400-Meter-Staffel der Frauen. Abgerundet wurde das Ergebnis durch zwei silberne und sieben bronzene Plaketten. Bei den Jugendlichen in Berlin verteidigte die Sprintstaffel der männlichen Jugend B ihren Titel. Dazu kamen dreimal Silber und dreimal Bronze. Gold holte die 3x800-Meter-Staffel der Frauen mit Saskia Janssen, Kerstin Marxen und Annett Horna.
Innerhalb weniger Minuten sorgten Robin Schembera und Annett Horna bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften in Recklinghausen jeweils über 800 Meter für einen goldenen Doppelschlag. Den dritten Titel steuerte Malte Mohr bei. Neben den vier silbernen und drei bronzenen Plaketten wären durch die abwesenden Olympiafahrer Sebastian Bayer, Sorina Nwachukwu, Silke Spiegelburg und Mareike Peters sicherlich noch weitere Goldmedaillen möglich gewesen.
Bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Hannover ging dreimal Edelmetall nach Leverkusen. Gold holte die Mannschaft der männlichen Jugend B, während das Frauen-Trio und Kira Biesenbach in der weiblichen Jugend B jeweils Bronze gewannen.
Bereits zum fünften Mal in Folge konnten die männlichen Jugendlichen den Titel bei den Deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaften holen und das eindrucksvoll mit über 200 Punkten Vorsprung. In der weiblichen Jugend gab es an dem Wochenende einen zweiten Platz. Bei den Deutschen Schüler-Mannschaftsmeisterschaften erreichten die Jungen den Bronzerang, die Mädchen belegten den sechsten Platz.
Personell haben wir sechs Neuzugänge zu verzeichnen. In Cathleen Tschirch begrüßen wir eine erfahrene Athletin in Leverkusen, die bereits auf zwei Olympische Spiele zurückblicken kann. Zudem orientierten sich Weitspringerin Kathrin van Bühren sowie die Nachwuchsathleten Sarah Lippold, Laura Lienshöft, Julia Dobmeier und Marc Decker zum TSV Bayer 04. Mit bedauern mussten wir den Weggang von Sebastian Bayer hinnehmen, der zuletzt bei der Hallen-EM mit seinem sensationellen Europarekord für Furore sorgte. Ihre sportliche Laufbahn beendet haben 400-Meter-Läufer Ingo Schultz und Hochspringer Roman Fricke.
Das 14. Bayer-Meeting bescherte uns vier Deutsche Jahresbestleistung und einen Meeting-Rekord, sowie eine Vielzahl weiterer international bemerkenswerter Leistungen. Höhepunkt war sicherlich der Speerwurf der Frauen, als Linda Stahl eine persönliche Bestleistung von 66,06 Metern vorlegte und erst im letzten Wurf von der Olympia-Dritten Christina Obergföll abgefangen werden konnte. Mit Spannung sehen wir schon der 15. Auflage am Freitag, den 31. Juli 2009 entgegen.
Ganz vorne ist der TSV seit Jahren in einer anderen Statistik: In der Vereinsrangliste konnten wir unsere Spitzenposition ein weiteres Mal behaupten und lagen 2008 mit 337 Zählen klar vor dem TV Wattenscheid mit 226 Punkten. Durch Markus Esser, Robin Schembera, Sebastian Bayer, Mareike Peters, Silke Spiegelburg sowie die 4x400- und 3x800-Meter-Staffeln stellten wir bei den Aktiven sieben Jahresbeste. Außerdem gab es zwei Spitzenplatzierungen bei den Junioren und sechs bei den Juniorinnen zu verzeichnen.
Einen leichten Rückgang mussten wir in den internationalen Bestenlisten hinnehmen. Mit Steffi Nerius auf Platz vier, Linda Stahl direkt dahinter auf Rang fünf und Silke Spiegelburg als Zehnte haben wir eine Top-Ten-Platzierung weniger als im Vorjahr. Ebenfalls eine Platzierung weniger haben wir bei den Top-30-Rängen, wo wir uns zehnmal wiederfinden. Im langfristigen Trend bestätigten die Leverkusener aber ihren Aufwärtstrend. Vor fünf Jahren gab es nur sieben Top-30-Plätze und eine Top-Ten-Platzierung zu verzeichnen.
Zu Anfang hatte ich es bereits kurz erwähnt, das große Highlight in diesem Jahr sind die Weltmeisterschaften in Berlin. Und den ersten Schwung dorthin haben sich unsere Athleten vor der Hallen-EM bereits bei den nationalen Hallen-Titelkämpfen geholt.
Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig ging es im Stabhochsprung der Männer gewohnt eng zu. Doch Danny spielte im geschickten Höhenpoker seine Erfahrung aus und sicherte sich mit 5,80 Metern den Titel. Neben ihm schaffte Malte Mohr als Dritter den Sprung auf das Podest. Doch der Höhepunkt der Meisterschaft war der deutsche Rekord von Silke Spiegelburg. Mit 4,71 Meter verbesserte sie erstmals in diesem Jahr die nationale Bestmarke. Neben den Stabhochspringern gewann über 800 Meter Annett Horna und die 4x200-Meter Staffel. Darüber hinaus gab es noch eine Silbermedaille von unserer „Neuen" Cathleen Tschirch und zwei Bronzene für Mareike Peters und Julia Hartmann.
Noch vor Leipzig standen Anfang Februar die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften auf dem Plan und auch dort ging es neben dem Gewinn des Titels um die Qualifikation für die Hallen-EM. Am Besten schlug sich Christine Schulz und schaffte mit persönlicher Bestleistung von 4.517 Punkten eine kleine Überraschung. Jennifer Oeser machte als Zweite den Leverkusener Doppelsieg perfekt.
Bei den Jugendmeisterschaften in Neubrandenburg blieb es in diesem Jahr bei nur einem dritten Platz. Marvin Caspari schaffte mit 5,00 Metern den Sprung auf das Podest. Sarah Lippold, Katarina Mögenburg und die weibliche 4x200-Meter Staffel verpassten als Vierte nur knapp das Siegertreppchen.
Nach drei Jahren in Folge mit Melanie Kraus an der Spitze sahen wir beim 28. Straßenlauf „Rund um das Bayer-Kreuz" in diesem Jahr zwar keinen Leverkusener Sieg, bekamen dafür aber durch die Saarbrückenerin Susanne Hahn in 32:28 Minuten einen neuen Streckenrekord geboten. Melanie lief dahinter als Zweite ins Ziel und vielleicht klappt es im nächsten Jahr wieder mit einem Heimsieg für sie - es wäre dann ihr Fünfter.
Am Ende meines Jahresberichtes möchte ich nicht vergessen, Danke zu sagen. Mein Dank gilt den Trainern, Ärzten und Physiotherapeuten für Ihre wertvolle Arbeit, für Ihren immerwährenden Einsatz und Ihre Motivation. Nur durch Ihre Arbeit haben wir ein Athletenpotential, das einmalig in Deutschland ist.
Ein ganz besonderes Dankeschön geht in Richtung meiner Vorstandskollegen Heide Ecker-Rosendahl und Günther Cordier.
Außerdem könnten die Leichtathletikveranstaltungen nicht ohne die ständige Einsatzbereitschaft unserer fleißigen Helfer, der Kampfrichter und Ehrenamtlichen, organisiert werden. Vielen Dank auch Ihnen von dieser Stelle aus.
Danke zudem an die Pressevertreter für Ihre engagierte Berichterstattung. Und zum Schluss möchte ich noch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle für Ihre gute Arbeit im Jahr 2008 danken. Ich weiß Ihren Einsatz sehr zu schätzen.
Ich drücke allen Athletinnen und Athleten die Daumen und wünsche ihnen eine verletzungsfreie und gesunde Saison mit vielen Erfolgen, sei es auf nationaler oder internationaler Ebene.
Joachim Strauss, Abteilungsleiter
