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Datum: 21.04.2011 | Autor: Peter Bock

Der Kreis schließt sich für Esser und Boruschewski

Auch Piraten haben einmal klein angefangen. 1993 empfahl die Leverkusener Schülertrainerin Ingrid Thyssen ihrem Freund Gerhold Wohlfarth, sich einen 13-jährigen Jungen anzuschauen, der ohne großes Krafttraining sehr gut werfen konnte und dazu unheimlich schnell sprintete. Markus Esser ist der Junge von damals und Gerhold Wohlfarth sah das Talent in ihm. Er nahm ihn unter seine Fittiche. Seite an Seite trainierte Esser dort fünfeinhalb Jahre lang auch mit dem zwei Monate jüngeren Benjamin Boruschewski. Zwei talentierte Werfer und zwei unterschiedliche Wege.


Aus Markus Esser ist 18 Jahre später die deutsche Nummer eins im Hammerwurf geworden und nach seinem Wechsel zu Helge Zöllkau ein Dauergast auf der internationalen Leichtathletik-Bühne. Bereits im ersten Jahr in der Zusammenarbeit des Gespanns Zöllkau/Esser qualifizierte sich das 1,78 Meter große Kraftpaket für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney. Ein großer Erfolg für das Duo, das ungewöhnlich vorgestellt wurde. „Das ist Helge Zöllkau. Er hat Ahnung von Speer, Kugel und Diskus. Hammerwerfen erarbeitet ihr euch zusammen", erinnert sich Markus Esser an das erste Treffen mit seinem neuen Trainer.


Boruschewski blieb dagegen bis vorigen Winter bei seinem alten Lehrmeister Wohlfarth und entwickelte sich dort zur Nummer zwei in Deutschland. Aber der große Sprung zu einer EM oder WM blieb ihm bisher noch verwehrt. Bis auf 76,19 Meter hat sich der 1,90-Meter-Mann gesteigert, 77,00 Meter würden als B-Norm für die Weltmeisterschaften in Daegu schon reichen.


Bei Esser folgten dagegen auf die Olympischen Spiele zwei weitere Olympia-Teilnahmen, drei WM-Auftritte sowie dreimal eine Europameisterschaft. Doch genau da geriet das Rad, das bis dato rund lief im vergangenen Jahr ins Stocken. EM-Aus im Vorkampf mit 71,89 Metern. Der Tiefpunkt für den Werfer, der früher immer ein Stofftuch um den kahlen Kopf gewickelt hatte und mit seinem fein rasierten Bart an einen Filmpiraten erinnerte.


„Das war der schlechteste Wettkampf meines Lebens, aber die Geschichte ist nun vorbei", erzählt der 31-Jährige rückblickend. Er hat die Startnummer an seine Sporttasche befestigt, damit er jeden Tag erinnert wird und im Training alles gibt, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Wie schon zu Beginn seiner Laufbahn, als Helge Zöllkau und er sich Rat beim damaligen Bundestrainer Bernhard Riedel holten, vertrauen die beiden in diesem Jahr auf die Tipps des heutigen Nationalcoachs Michael Deyhle. „Es war nach vielen Jahren wieder die Zeit gekommen, neue Reize zu setzen und mit Michael Deyhles Hilfe, neue Wege zu beschreiten", erzählt Markus Esser. Neben gelegentlichen Trainingswochen in Frankfurt konzentriert sich die Kooperation mit Deyhle vor allem auf die Trainingslager.


In Zypern bereitet sich die Trainingsgruppe mit Betty Heidler, Kathrin Klaas und neuerdings auch Markus Esser auf den Saisoneinstieg vor. Die Halleschen-Werfertage sollen den Weg vorgeben und dieser soll in diesem Jahr nach Daegu führen. Aber Esser denkt weiter. „Die nächsten beiden Jahre sind richtungweisend für mich." Über zehn Jahre Leistungssport haben ihre Spuren hinterlassen und je nach Ausgang der beiden Großereignisse wird Esser vielleicht seine berufliche Laufbahn weiter vorantreiben. Mit der Ausbildung zum A-Trainer gegen Ende des Jahres ist ein weiterer großer Schritt in diese Richtung bald getan.


Auch Benjamin Boruschewski kennt seinen Körper genau. „Im Training haben wir schon ab und zu den Ü30-Bonus", erzählt er lachend. „Da spielen Markus und ich das gleiche Lied. Da ist schon mal der Rücken steif oder sind die Beine platt. Da würde ich manchmal lieber in einem jüngeren Körper aufwachen."


Den Schmerzen zum Trotz feilen beide weiter an ihren Zielen. Für Markus ist der Fokus in diesem Jahr neben der WM, auch auf die Throwing Challenge, die einer Art Diamond-League für die Hammerwerfer ist. Bis zu 25.000 US-Dollar werden für den Sieger ausgelobt und mindestens einen Platz unter den Top-Sechs peilt der Leverkusener an. Benjamin Boruschewski versucht dagegen in Herbst seiner Karriere einmal das Ticket für eine WM zu lösen. „Back to the roots", sagt Markus Esser. „Benjamin und ich haben zusammen angefangen und wir hören zusammen auf."


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