Silke Spiegelburg - „Es geht bergauf“
Silke Spiegelburg ist trotz eines abgebrochenen Trainingslagers und einer nicht idealen Vorbereitung mit drei Siegen in die Sommersaison gestartet. Zuletzt steigerte die Leverkusener Stabhochspringerin in Ostrava (Tschechische Republik) ihre Saisonbestleistung weiter auf 4,60 Meter. Am Mittwoch (8. Juni) springt sie in Kassel. Christian Fuchs hat für leichtathletik.de mit der Vize-Europameisterin gesprochen.
Silke Spiegelburg, in Ostrava konnten Sie in der letzten
Woche mit 4,60 Metern weiter ansteigende Form beweisen. Wie haben Sie den
Wettkampf erlebt?
Ich bin froh, dass es jetzt von Wettkampf zu Wettkampf immer besser von Statten
geht. Es geht bergauf. Die Vorbereitung war nicht ganz einfach. Ich musste das
Trainingslager aus Krankheitsgründen abbrechen. Ich konnte nur drei Wochen
trainieren, bevor ich zu den ersten Wettkämpfen nach Asien geflogen bin. In
Ostrava habe ich immer mehr das Gefühl gehabt, wieder die Stärke aus dem Winter
zu kriegen. Es waren Sachen dabei, wo ich mir gesagt habe: Das hab ich jetzt
wieder. Das muss sich jetzt noch weiter festigen. Der Kopf muss mehr
mitspielen. Auch die Ausdauer wird von Wettkampf zu Wettkampf besser.
Das klingt so, als wäre soeben die Wettkampfreife eingetreten...
Ja. (lacht) Kann man vielleicht so sagen. Es war am Anfang schon schwierig. Man
weiß erst nicht, wo man steht und was man kann. Man möchte gern das Niveau vom
Winter wieder abrufen und reihenweise 4,70 oder höher springen. Man muss aber
erst einmal wieder da rankommen. Es lief nicht alles wie geplant. Aber umso
mehr freut es mich, dass ich wieder die harten Stäbe springe. Jetzt muss ich
technisch noch sauberer werden. In Ostrava gab es schon deutlich gute Ansätze.
Leszek (Anm.: Trainer Leszek Klima) war voll zufrieden und hat gesagt: Endlich
kommt's wieder. Das Training wird immer besser. Zum Glück ist dieses Jahr die
Weltmeisterschaft Ende August, so dass ich die Zeit noch nutzen kann.
Hatten Sie aufgrund des Rückschlags auch überlegt, etwas später in die
Wettkampfsaison einzusteigen?
Wir hatten das überlegt, vor allem wenn ich unter drei Wochen Vorbereitungszeit
gehabt hätte. Andererseits bin ich ein Wettkampfmensch und ich kann mir über
Wettkämpfe auch wieder Motivation holen. So ist es auch eingetreten. Ich habe
über die Wettkämpfe in Asien Sicherheit bekommen. Das war das erste Mal, dass
ich draußen aus dem neuen, langen Anlauf, aus 18 Schritten, springe. Ich habe
in Asien zweimal gewonnen. Das hat mir viel Mut gemacht. Diesen Push brauchte
ich irgendwo.
Was versprechen Sie sich von dem neuen Anlauf für diesen Sommer?
Ich hatte ihn ja schon im Winter. So konnte ich den deutschen Hallenrekord
springen. Ich bin Zweite bei der Hallen-EM in Paris geworden. Trotzdem ist es
für mich noch etwas Neues. Ich komme damit sehr gut zurecht, ich fühle mich
damit sehr, sehr wohl. Ich hoffe, dass ich das mit härteren Stäben und einem
höheren Grip noch weiter ausnutzen kann.
Wird denn damit der deutsche Freiluftrekord endlich
fällig sein?
Ich versuche schon seit zwei Jahren, den zu knacken. Schön langsam kann das
blöde Ding da auch liegen bleiben. (lacht) Ich habe das aber erst einmal im
Hinterkopf ein wenig ad acta gelegt. Ich weiß aber, dass es deutlich hinaus
gehen kann. Ich brauche jetzt einfach die Routine. Dann hoffe ich, dass ich
auch mehr als 4,78 Meter springen kann.
Die WM ist diesmal erst Ende August. Unterscheidet sich Ihre Saisonplanung
von der in den Vorjahren?
Nein. Letztes Jahr war die EM in Barcelona sehr, sehr früh. Normalerweise ist
der Höhepunkt ja Mitte August. Ich habe mit Ende August kein Problem. Ich habe
die letzten Jahre immer Anfang oder Mitte Mai angefangen und bis Mitte
September die Saison durchgezogen. Ich hatte nie ein Loch. 2008 habe ich sogar
im September das Weltfinale gewonnen. Das ist kein Problem. Man muss natürlich
die Vorbereitung setzen. Man darf nicht zu viele und auch nicht zu wenige
Wettkämpfe bestreiten. Das muss man abwägen. Leszek hat aber da viel Erfahrung,
darauf hoffe ich.
Sie liegen auch im Diamond Race der Diamond League gut im Rennen. Wie geht
es jetzt für Sie weiter?
Ich habe die Diamond League-Starts in Eugene und Oslo abgesagt. Ich springe
erst einmal in Kassel. Ich gucke, dass ich jetzt die Sicherheit bekomme. Danach
werde ich wieder voll in die Diamond League einsteigen und in den nächsten fünf
Wettkämpfen angreifen.
Yelena Isinbayeva steigt erst Mitte Juli ein. Was halten Sie davon?
Sie hat ja noch ein bisschen Zeit bis zur WM und kann sich das anders
einteilen. Ich kann sie verstehen. Sie hat wieder alles umgeschmissen. Vor ein
paar Jahren hatte sie alle Zelte in Russland abgebrochen. Sie ist nach Italien
zu Vitali Petrov gegangen. Jetzt ist sie nach der Wintersaison wieder zurück
nach Russland und muss da neu aufbauen. Ich denke auch, dass sie einfach Zeit
braucht, um sich wieder einzuleben. Ich kann es nachvollziehen, dass sie erst
einmal wieder die Ruhe und den Rhythmus finden muss. Ich bin zuversichtlich,
dass sie relativ schnell wieder da ankommt, wo sie mal war. Es ist schön, wenn
sie wieder da ist. Dann kriegen wir auch wieder einen Push. Wir anderen haben
aber ihre Pause genutzt und uns weiterentwickelt. Vielleicht können wir sie
jetzt auch ein bisschen mehr ärgern. Mal sehen, wie sie dann reagiert.
