Neuigkeiten Interview
Datum: 07.06.2011 | Autor: Christian Fuchs

Silke Spiegelburg - „Es geht bergauf“

Silke Spiegelburg ist trotz eines abgebrochenen Trainingslagers und einer nicht idealen Vorbereitung mit drei Siegen in die Sommersaison gestartet. Zuletzt steigerte die Leverkusener Stabhochspringerin in Ostrava (Tschechische Republik) ihre Saisonbestleistung weiter auf 4,60 Meter. Am Mittwoch (8. Juni) springt sie in Kassel. Christian Fuchs hat für leichtathletik.de mit der Vize-Europameisterin gesprochen.

Silke Spiegelburg, in Ostrava konnten Sie in der letzten Woche mit 4,60 Metern weiter ansteigende Form beweisen. Wie haben Sie den Wettkampf erlebt?

Ich bin froh, dass es jetzt von Wettkampf zu Wettkampf immer besser von Statten geht. Es geht bergauf. Die Vorbereitung war nicht ganz einfach. Ich musste das Trainingslager aus Krankheitsgründen abbrechen. Ich konnte nur drei Wochen trainieren, bevor ich zu den ersten Wettkämpfen nach Asien geflogen bin. In Ostrava habe ich immer mehr das Gefühl gehabt, wieder die Stärke aus dem Winter zu kriegen. Es waren Sachen dabei, wo ich mir gesagt habe: Das hab ich jetzt wieder. Das muss sich jetzt noch weiter festigen. Der Kopf muss mehr mitspielen. Auch die Ausdauer wird von Wettkampf zu Wettkampf besser.

Das klingt so, als wäre soeben die Wettkampfreife eingetreten...

Ja. (lacht) Kann man vielleicht so sagen. Es war am Anfang schon schwierig. Man weiß erst nicht, wo man steht und was man kann. Man möchte gern das Niveau vom Winter wieder abrufen und reihenweise 4,70 oder höher springen. Man muss aber erst einmal wieder da rankommen. Es lief nicht alles wie geplant. Aber umso mehr freut es mich, dass ich wieder die harten Stäbe springe. Jetzt muss ich technisch noch sauberer werden. In Ostrava gab es schon deutlich gute Ansätze. Leszek (Anm.: Trainer Leszek Klima) war voll zufrieden und hat gesagt: Endlich kommt's wieder. Das Training wird immer besser. Zum Glück ist dieses Jahr die Weltmeisterschaft Ende August, so dass ich die Zeit noch nutzen kann.

Hatten Sie aufgrund des Rückschlags auch überlegt, etwas später in die Wettkampfsaison einzusteigen?

Wir hatten das überlegt, vor allem wenn ich unter drei Wochen Vorbereitungszeit gehabt hätte. Andererseits bin ich ein Wettkampfmensch und ich kann mir über Wettkämpfe auch wieder Motivation holen. So ist es auch eingetreten. Ich habe über die Wettkämpfe in Asien Sicherheit bekommen. Das war das erste Mal, dass ich draußen aus dem neuen, langen Anlauf, aus 18 Schritten, springe. Ich habe in Asien zweimal gewonnen. Das hat mir viel Mut gemacht. Diesen Push brauchte ich irgendwo.

Was versprechen Sie sich von dem neuen Anlauf für diesen Sommer?


Ich hatte ihn ja schon im Winter. So konnte ich den deutschen Hallenrekord springen. Ich bin Zweite bei der Hallen-EM in Paris geworden. Trotzdem ist es für mich noch etwas Neues. Ich komme damit sehr gut zurecht, ich fühle mich damit sehr, sehr wohl. Ich hoffe, dass ich das mit härteren Stäben und einem höheren Grip noch weiter ausnutzen kann.


Wird denn damit der deutsche Freiluftrekord endlich fällig sein?

Ich versuche schon seit zwei Jahren, den zu knacken. Schön langsam kann das blöde Ding da auch liegen bleiben. (lacht) Ich habe das aber erst einmal im Hinterkopf ein wenig ad acta gelegt. Ich weiß aber, dass es deutlich hinaus gehen kann. Ich brauche jetzt einfach die Routine. Dann hoffe ich, dass ich auch mehr als 4,78 Meter springen kann.

Die WM ist diesmal erst Ende August. Unterscheidet sich Ihre Saisonplanung von der in den Vorjahren?

Nein. Letztes Jahr war die EM in Barcelona sehr, sehr früh. Normalerweise ist der Höhepunkt ja Mitte August. Ich habe mit Ende August kein Problem. Ich habe die letzten Jahre immer Anfang oder Mitte Mai angefangen und bis Mitte September die Saison durchgezogen. Ich hatte nie ein Loch. 2008 habe ich sogar im September das Weltfinale gewonnen. Das ist kein Problem. Man muss natürlich die Vorbereitung setzen. Man darf nicht zu viele und auch nicht zu wenige Wettkämpfe bestreiten. Das muss man abwägen. Leszek hat aber da viel Erfahrung, darauf hoffe ich.

Sie liegen auch im Diamond Race der Diamond League gut im Rennen. Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich habe die Diamond League-Starts in Eugene und Oslo abgesagt. Ich springe erst einmal in Kassel. Ich gucke, dass ich jetzt die Sicherheit bekomme. Danach werde ich wieder voll in die Diamond League einsteigen und in den nächsten fünf Wettkämpfen angreifen.

Yelena Isinbayeva steigt erst Mitte Juli ein. Was halten Sie davon?


Sie hat ja noch ein bisschen Zeit bis zur WM und kann sich das anders einteilen. Ich kann sie verstehen. Sie hat wieder alles umgeschmissen. Vor ein paar Jahren hatte sie alle Zelte in Russland abgebrochen. Sie ist nach Italien zu Vitali Petrov gegangen. Jetzt ist sie nach der Wintersaison wieder zurück nach Russland und muss da neu aufbauen. Ich denke auch, dass sie einfach Zeit braucht, um sich wieder einzuleben. Ich kann es nachvollziehen, dass sie erst einmal wieder die Ruhe und den Rhythmus finden muss. Ich bin zuversichtlich, dass sie relativ schnell wieder da ankommt, wo sie mal war. Es ist schön, wenn sie wieder da ist. Dann kriegen wir auch wieder einen Push. Wir anderen haben aber ihre Pause genutzt und uns weiterentwickelt. Vielleicht können wir sie jetzt auch ein bisschen mehr ärgern. Mal sehen, wie sie dann reagiert.

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